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a
Zauberinnen,
Frauen der Natur?
Gefährlich? Hilfreich? Geheimnisvoll, unverstanden, oftmals provokant,
immer mit einem mehr oder weniger versteckten Hauch Erotik...
all das sind Sie bestimmt - die echten oder selbsternannten Hexen.
Rübezahl
kann hier gar nicht alle Facetten des Hexentums und der Hexerei
darstellen.
Dafür ist dieses Thema zu komplex. Zu viele Ansichten, die ich nicht
überprüfen kann, zu viele Gerüchte. Was ich aber kann, ist hier die
historischen Fakten, die ich gefunden habe zu zeigen und alles andere zur
Diskussion zu stellen.
Frag mich nicht, wie
alt ich bin.
Ich bin so alt, wie der Wind in Deinen Haaren.
Ich bin so alt, wie das Wasser der Meere.
Ich bin so alt, wie das Feuer der Sonne.
Ich bin so alt, wie das Felsgestein.
Ich bin so alt, wie der Mond am Himmel
und so alt, wie ein neugeborenes Kind.
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Hexen
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Der
Hexenbegriff
Unter
Hexerei wird in der Regel etwas anderes verstanden als die reine Zauberei.
Während der Zauberer ganz allgemein Stoffe, Tiere, Symbole oder Dämonen
beschwört, um einen Zweck zu erreichen, geht die Hexe, christlichen
Vorstellungen zufolge, einen Bund mit einer zauberkundigen Macht ein, der
sich sich ganz verbindet. Nach Darstellung der christlichen Inquisitoren war
diese Macht durchweg der Teufel. Von ihm erhielt sie auch ihren Hausgeist,
der auf ihren Befehl hin die Zauber durchführt.
In der
Gesellschaft zur Zeit des ausgehenden Mittelalters/der frühen Neuzeit waren
besonders alte, alleinstehende und womöglich etwas wunderliche und
unheimliche Frauen als Hexen angesehen. Sie verfügten über das hergebrachte
Wissen, waren Weise Frauen und wurden ihrer Kräuterkundigkeit wegen als
Heilerinnen bei Krankheiten und Geburten herbeigeholt, wohl auch um
Wahrsagerei und verschiedene Zaubereien befragt. Weil der Mensch so ist, wie
er ist, waren sicher auch Aufträge darunter, die dem Nachbarn des Kunden
Schaden zufügen sollten. Solcherlei Hexerei wurde - wenn entdeckt - dem
angerichteten Schaden entsprechend bestraft. Aber erst in der als
Renaissance bekannte Epoche der (angeblich so fortschrittlichen) frühen
Neuzeit begannen die ausufernden Hexenverfolgungen mit ihren Exzessen, denen
beileibe nicht nur Frauen zum Opfer fielen. In manchen Regionen
Norddeutschlands waren sogar mehr Männer als Frauen betroffen.
In jüngerer
Zeit lebt das Interesse am Hexenkult auf. Die vornehmlich weiblichen
Anhängerinnen eines modernen Wicca-Kultes führen die Hexenkulte auf alte
Mutterreligionen zurück und lehnen damit jeden Zusammenhang mit dem viel
später entstandenem Christentum ab. In der Tat dürften viele Hexenprozesse
angestrengt worden sein, weil die vermeintlichen Hexen ihren Göttinnen und
Göttern huldigten, die in den Augen fanatischer Mönche nichts anderes als
Teufel und deren Huren waren.
Herkunft und Alter des Hexenbegriffes lassen sich nicht mehr fassen.
Der Terminus "Hexe(rei)"
setzt sich aus verstückelten Vorstellungen antiker, südländischer und
germanischer Begriffe zusammen. Manche meinen das sich der Begriff von
"hägtese"
(altsächsisch=dexter) ableitet, andere sind der Auffassung daß das Wort "haegse"
zugrunde liegt was auf eine kluge und weise Frau hindeutet.
Die weitverbreiteteste Theorie ist:
Der Begriff Hexe leitet sich ursprünglich vom althochdt. Wort
"hagazussa" ab, woraus
das mittelhochdt. Wort "hecse",
"hesse" und
"hexe" entstand.
"Hagazussa" setzt sich aus den beiden Worten "hag", das soviel wie Rodung,
Feld oder Flur bedeutet, und "zussa" zusammen: "die Schädigende". Sinngemäß
also "die den Hag Schädigende".
Die Hexen wurden im Deutschen also als negativ angesehen.
Im Vergleich dazu die Deutung des Wortes im Englischen: "Hag" wurde im
Englischen ursprünglichen mit "heilig" übersetzt, man denke nur an den Namen
der früher christlichen Kirche in Konstantinopel "Hagia Sophia".
Das heute gebräuchliche englische Wort "witch"
leitet sich vom altenglischen "wicca" oder "wicce" ab.
"Wicce" ist die Kurzform von "witega", das soviel wie Seher oder Wahrsager
bedeutet.
Einige Leute bezweifeln auch die Zuverlässigkeit der Wortabstammung, die
besagt "witch" (Hexe) bedeute "biegen und verformen". Sie glauben, das Wort
stamme einfach vom alt- englischen "die Weise" und habe keine Beziehung zu
den oben genannten Wurzeln -- was zu dem modernen Wort "wicker" führt.
Auch in der Bibel gibt es zahlreiche Bezeichnungen für die Hexen.
"Bacularia" (=
Besenreiterin), "Herberia"
(= Kräuterfee) oder "Venefica"
(= Giftmischerin) und noch viele andere.
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Hexenbegriff multilingual
|
häxen |
deutsch, 15 Jh. |
|
hexse |
deutsch, 1293 |
|
hess |
deutsch, 1387 |
|
haghetissen
|
deutsch |
|
Hächse |
deutsch, 1510 |
|
hezze |
deutsch |
|
hag |
englisch |
|
hazessa |
deutsch |
|
hekse |
holländisch |
|
holzmuoia
|
deutsch |
|
zunrite |
oberdeutsch |
|
sorciere |
französisch |
|
stregha |
italienisch |
|
erbaria |
italienisch |
|
bruja |
spanisch |
|
bruxa |
portugiesisch |
|
xorguina |
spanisch |
|
indivina |
lateinisch |
|
striga |
lateinisch, Eule |
|
masca |
lateinisch, Maske |
|
hagazussa
|
alt-nordisch |
|
maga |
lateinisch, Zauberin |
|
cailleach
|
irish, altes Weib |
|
wicca |
altenglisch, die
weise Frau |
|
venefica |
lateinisch,
Giftmischerin |
|
lamia |
lateinisch,
weiblicher Dämon |
|
tunritha |
alt-nordisch,
Zaunreiterin |
|
wildaz wip
|
deutsch, das wilde
Weib |
|
malefica |
lateinisch,
Schadenszauberin |
|
larva |
lateinisch,
eigentlich: Totengeist |
|
walriderske
|
niederdeutsch,
Zaunreiterin |
|
draíodóir mná
|
irish, wörtlich:
druidenzauber ausübende Frauen |
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Eine Reise durch die Zeit |
Altertum
Die Grundlagen werden geschaffen. Die Assyrer und Babylonier kannten die auf
Besen reitenden Hexen. Geistesgeschichtliche Entwicklung der Griechen. Der
Glaube an Zwischenwesen, die man als Mittler zwischen Mensch und Gott
versteht, wird gefestigt. Dies wird in der römischen Götterlehre und in der
Glaubensstruktur verzerrt. Der Glaube an Dämonen wird im Bewusstsein des
Volks gefestigt.
4. Jahrhundert
Die christliche Religion kommt hinzu und wird als Staatsreligion hoffähig.
Sie übernimmt und modifiziert antike Dämonologie. In diesem Jahrhundert
beginnt das Verhängnis.
391 n. Ch.
Das Christentum wird offiziell als Staatsreligion ernannt.
Und alles, was den Stand und das Ansehen der Kirche zu bedrohen scheint,
wird versucht zu eliminieren.
400 - 1250
Der Aberglauben wird gefestigt. Teilweise wird mit Gewalt die
Christianisierung in Landstrichen Europas erzwungen. Andere Glaubensformen
werden be- und verdrängt. In dieser Zeit begann man damit, das weibliche
Geschlecht als etwas negatives darzustellen.
1000
Vorerst duldet die katholische Kirche keine Personen, die mit dem Teufel in
Verbindung stehen oder sich in teuflischen Künsten üben. Den Hexenglauben
aber leugnen sie. Aufgrund der Verbreitung von hätetischen Sekten in
europäischen Ländern nimmt die Kirche den Kampf gegen die Ketzerei und
Zauberei auf.
1179
ruft das Lateran-Konzil die weltlichen Mächte zur Bekämpfung der Ketzerei
auf, und beginnt eine entsprechende Kampagne. Die bischöflichen Gerichte
führen die Inquisition ein.
Um 1200
gibt die Kirche das Prinzip der Nichtexistenz von Dämonen und Hexen auf.
Angeblich findet der erste Prozess 1264 in Frankreich statt.
1230 - 1430
In diesem Zeitalter beginnen die Ketzer-und Inquisitionsprozesse. Dem Volk
wird der Glaube an den Teufel auferzwungen. Gleichzeitig wird der
Hexenbegriff gefestigt.
1470 - 1480
Der Hexenbegriff wird an das Teufelsdogma gekuppelt. Christliche Hexenbücher
erscheinen. Sie gelten eigentlich dem Kampf gegen den Teufel, zielen jedoch
auf die Vernichtung der Hexerei.
1484
erwirken die Inquisitoren und Dominikaner Sprenger und Insitoris Kramer von
Papst Innozenz VIII einen Erlass, der ihnen die alleinige Zuständigkeit für
die Hexenverfolgung sichert. Sie veröffentlichen auf Ersuchen des Papstes
den "Hexenhammer" (Malleus Melleficarum). Er beinhaltet sämtliche Elemente
der Hexerei sowie das System der Ausrottung und Vernichtung. Durch den
Buchdruck wird er weit verbreitet. Er wird zum Leitfaden der Hexenrichter
und bis 1669 wird er in verschiedenen Sprachen 29mal verlegt.
1493
In Spanien werden rund 100 000 Menschen der Ketzerei angeklagt, 10 000 davon
werden auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
nach 1500
Einzelne und später grösser angelegte Hexenverfolgungen durch Kirche und
Staat finden statt.

um 1580
Höhepunkt der Hexenbrände im Zusammenhang mit Reformation, Gegenreformation
und Jesuitismus. Die Hexenverfolgung- und verbrennungen lassen nach.
1585
Auf Befehl des Erzbischofs von Trier werden unzählige angebliche Hexen
verbrannt.
So viele, dass in einigen Dörfern jeweils nur zwei Frauen am Leben blieben.
1610
In Holland findet die letzte Hexenverbrennung statt.
1630
Der Bischof von Würzburg gibt den Befehl, 1200 Frauen und Männer als Ketzer
und Hexen zu verbrennen. Im gleichen Jahr wird auch die Hinrichtung von 600
Frauen (und etlichen Männern) vom Erzbischof von Bamberg angeordnet.
1632/ 1633
Prozess gegen Galileo Galilei, der seinen ketzerischen Thesen (die Welt ist
nicht der Mittelpunkt des Universums) abschwören muss, um dem Feuertod zu
entgehen.
Mitte 17. Jahrhundert
Von der Hexenverfolgung wird durch den 30-jährigen Glaubenskrieg abgelenkt
und es findet eine Verschiebung statt. Nach Ende folgen weitere Höhepunkte
menschlicher Grausamkeit. Protestanten und Katholiken buhlen um die Gunst
des Teufels.
1676
Auf Geheiss des Erzbischofs von Salzburg werden 97 Frauen verbrannt.
Sie sollen eine Viehseuche "herbei gezaubert" haben.
1684
In England findet die letzte Hinrichtung einer Hexe statt.
ab 1700
Durch Zurücknahme der Folter vermindern sich die Prozesse. Aufklärende
Tendenzen beginnen. Die Männer, die den Hexenwahn schon lange bitter
bekämpft hatten, der Jesuit Friedrich Spee, der Reformierte Balthasar Bekker,
Christian Thomasius und Johann Weier, fanden langsam Gehör.
1745
Letzte Hinrichtung einer Hexe in Frankreich
1775
In Deutschland wird zum letzten Mal ein Scheiterhaufen angezündet.
1782
Letzte Hinrichtung einer Hexe in der Schweiz.
1792
In Polen wird zum letzten Male einer Frau der Hexenprozess gemacht:
Todesurteil, das natürlich schon vor der Verhandlung klar war.
ab 1800
Der Teufel nimmt eine untergeordnete Stellung ein. Nur wenige Fälle von
Hexenverfolgung werden bekannt. Das Hexenbild wandelt sich im
Volksbewusstsein zum märchenhaften, naiven und lächerlichen. Die Hexen
werden in Märchenbücher aufgenommen.
1952
In England wird das letzte Gesetz gegen Hexerei aus den Büchern gestrichen.
1954
In diesem Jahr wird in England der letzte Hexenprozess geführt, welcher sich
auf ein Gesetz aus dem Jahre 1754 beruft.
20 Jahrhundert; 2 Hälfte
Trend zur "schwarzen" Magie nimmt zu. Das Hexenwesen spielt sich in Zirkeln
und privaten Kreisen ab.
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Hexerei in der "Alten Zeit"
Heute sehen wir die Welt mit
modernen Augen: kühl und sachlich.
Ganz ohne das Grauen vor dem Unbekannten, das man früher bei Stürmen,
Erdbeben, Fluten und so weiter empfand. Heute erklärt die Wissenschaft diese
Vorgänge mit Physik und ist immer mehr in der Lage, die ungebändigten Kräfte
der Natur zu begreifen, zu messen und Unglücke im voraus zu berechnen.
Im Altertum, im Mittelalter und in der frühen Neuzeit jedoch war das noch
ganz anders. Man schrieb Ereignisse und Schicksale unwillkürlich anderen
Wesen zu: Geister verstorbener Verwandter, Göttern, Feen, Elfen und auch
Dämonen.
Die Menschen fühlten sich diesen Wesen ausgeliefert und Personen, die damals
schon die Kräfte der Natur für sich zu nutzen wussten, wurden von anderen
sehr geschätzt und hatten den Ruf mit eben diesen "Geistwesen" in Verbindung
zu stehen und Einfluss ausüben zu können.
Hexen und Hexenmeister waren nach landläufiger Ansicht ganz normale Menschen
und konnten also nicht, wie überirdische Wesen Götter, Feen und Geister ohne
jegliches Hilfsmittel zaubern. Sie benötigten einen Zauberstab, einen
Zaubertrank, bestimmte Kräuter, und natürlich bedurften sie auch eines
Lehrmeisters oder einer Lehrmeisterin, von dem oder der sie ihre Künste
lernten.
Die mündliche Überlieferung geheimer Rezepte und Fertigkeiten ist in
entlegenen Teilen der Welt immer noch gang und gäbe und als die eigentlich
"richtige" Methode des Lehrers anzusehen, zumal früher ohnehin die wenigsten
lesen und schreiben konnten - mit Sicherheit jedenfalls nicht Hirten,
Kräuterweiblein und sonstige Landbewohner, die sich mit unorthodoxen
Heilmethoden und Zaubereien befassten.
Fast jedes Dorf hatte seine "Hexe", seine Zauberfrau, die sich hervorragend
mit Pflanzen und deren Wirkungen auskannte, die Hebammendienste verrichtete
und Mensch wie Tier zu heilen verstand - und es i st
auch nicht auszuschliessen, dass manch eine von ihnen sich auch auf negative
Zaubereien einliess. Traf ein Missgeschick das Dorf, sei es in Gestalt einer
Missernte, einer Überschwemmung, einer Seuche oder eines Brandes, fiel der
Verdacht natürlich als erstes auf das (zumeist weibliche) Mitglied der
Gemeinschaft, das zu "zaubern" verstand. Sie hätte das Unglück schliesslich
vorhersehen und abwenden können - falls sie es nicht überhaupt selbst
inszeniert hatte. Die "Dorfhexe" wurde daher zwar benötigt, stand aber
selten in gutem Ruf, und so war der Schritt nicht weit, sie von weltlicher
und geistlicher Obrigkeit dazu aufgehetzt, als Ketzerin zu verleumden und
damit dem Scheiterhaufen preiszugeben.
Darüber hinaus, welche Künste Hexen beherrschten, bestand spätestens seit
Erscheinen des 'Hexenhammer' kein Zweifel mehr. Fortan wurde ihnen eine
ganze Reihe von Zaubereien in die Schuhe geschoben, die früher
beispielsweise den Elben zugeschrieben worden waren. Ganz besonders galt
dies für das Vertauschen von Kindern mit sogenannten Wechselbälgern.
Im stillen Kämmerlein studierten sie, wie man glaubte, verschiedene Rezepte
und probierten sie im Geheimen aus. Dadurch entstanden dann angeblich
Geister, Homunkuli, dienstbare Zauberhunde und alles nur erdenklich sonstige
Teufelswerk.
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Christentum
und Hexerei
Mit dem Aufstieg des
Christentums ging der Kampf gegen die heidnischen Götter einher. Die
Christen brauchten klare Feindbilder, um diesen Kampf zu bestehen und man
erklärte kurzerhand alle heidnischen Götter zu Dämonen. Der eigentliche
Schöpfer der christlichen Dämonenlehre war der berühmte Bischof Augustinus
von Hippo (354-430). Trotzdem hielten viele Menschen heimlich am alten
Brauchtum fest. Sie nutzten weiterhin alte Kultstätten und "Zaubersprüche".
Die Kirche entwickelte gegenüber solchen Menschen ein starkes Misstrauen und
drohte mit dem Ausschluss vom Gottesdienst. Aber noch sah die Kirche keinen
Grund, die Hexerei gezielt zu verfolgen.
Im 12 / 13 Jahrhundert bildeten sich jedoch regelrechte kirchenkritische
Reformbewegungen. Die KATHARER, die "Reinen" (von denen sich der Begriff
Ketzer ableitet) und die WALDENSER (nach ihrem Begründer Petrus Waldensis
benannt). Beide spielten eine grosse Rolle bei der Einstellung der Kirche
zur Magie/Hexerei und dem daraus entstandenen Hexenwahn. Obwohl die
Glaubensfrage bei den Katharern und den Waldensern auseinander ging,
zweifelten beide an der Richtigkeit der kirchlichen Lehre und die Zahl ihrer
Anhängerschaft stieg ständig an.
Die Katharer wuchsen zu einer
mächtigen Organisation und die Kirche musste hilflos mitansehen, wie man
sich von ihr abwandte. Schliesslich griff der Papst zum letzten Mittel, um
seinen Stand zu sichern, zur Gewalt. Kirchliche Abgesandte trieben ein
französisches Ritterheer in die Katharergebiete in Süd-Frankreich. Dieser
Vernichtungskrieg dauerte von 1209 bis 1229 und war von unvergleichlicher
Brutalität. Er hatte Folgen für beide Seiten. Die eroberten Regionen passten
sich der Herrschaft des Königs von Frankreich an, um zu überleben und die
Kirche versuchte zu ergründen, wie es soweit kommen konnte, dass sich so
viele Menschen von ihren Lehren abwandten.
Der Papst und seine Berater
kamen zu einem verhängnisvollen Ergebnis: es lag daran, dass der Teufel
seine Hände im Spiel haben musste. Die Kirche nahm darüber hinaus an, dass
sich der Teufel, um diese ketzerischen Ansichten zu verbreiten, des innigen
Verhältnisses der Hexen zur Natur und ihren Geistern bemächtigte.
Im Jahre 1232/33 begründete Papst Gregor IX darum eine zentrale
Kirchenbehörde, die den rechten Glauben verteidigen sollte: DIE PÄPSTLICHE
INQUISITION (Inquisition: lateinisch = gezielte Untersuchung).
Von nun an waren sogenannte
Glaubensrichter berechtigt nach Ketzern zu fahnden und waren nicht mehr
darauf angewiesen auf Anklagen zu warten. Zur Unterstützung erliess der
Papst noch strenge Richtlinien. Von nun an waren alle Christen verpflichtet
jeden "Verdächtigen" anzuzeigen.
Im darauf folgenden Verfahren
waren Verteidiger nicht zugelassen und der ganze Prozess verlief streng
geheim. Inquisitoren führten die Verhandlung und waren Richter und Ankläger
zugleich. Ihre Urteile waren endgültig und liessen keine Berufung zu.
Angeklagte, die gestanden oder sich reumütig zeigten, wurden lebenslang
eingekerkert, Angeklagte, die nicht gestanden und selbst in Haft noch ihr
"magisches Unwesen" trieben, wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Woran erkannte man Hexen?
Die Inquisitoren
hatten einen Leitfaden, den Hexenhammer (lateinisch Malleus Maleficarum),
ein von den beiden Inquisitoren Sprenger und Institoris verfasstes
autoritatives Handbuch über das Hexen- und Zauberwesen (1487), das bis 1669
in 29 Auflagen erschien. Die beiden ersten Teile enthielten eine
Beschreibung des Treibens der Hexen und eine genaue Auflistung ihrer
Verbrechen. Der dritte Teil stellte die Normen zur Durchführung der
Hexenprozesses auf und gab Anweisungen zu ihrer Durchführung.
Zuerst wurde der mutmasslichen
Hexe ein Gerichtsverfahren gemacht. Es reichte, wenn 2 oder 3 Zeugen -
konnten sogar die persönlichen Feinde sein - aussagten, dass die
Beschuldigte eine Hexe sei, dann galt dies als Beweis der Wahrheit. Danach
wurde die Beschuldigte unter Hilfe der Folter verhört, gestand sie, war sie
eine Hexe, blieb sie still, hatte ihr der Teufel geholfen und sie war
ebenfalls schuldig.
Hexenprüfungen
Um Beweiszeichen zu
liefern, wurden sogenannte Hexenprüfungen angewandt. Die ganzen Prozesse
hatten überwiegend den Charakter obszöner Schauveranstaltungen; die
Vermischung von religiösem Fanatismus und aufgestauter Sexualität ist nicht
zu übersehen.
Die Wasserprobe hat sich bei den
bekannt gewordenen Hexenprozessen im deutschsprachigen Raum bis ins 19.
Jahrhundert gehalten. Man band den Opfern Hände und Füsse zusammen, so das
sie sich nicht mehr regen konnten. Im Beisein von vielen Menschen wurden sie
ins Wasser geworfen. Gingen die Beschuldigten unter waren sie unschuldig
(und ertrunken). Hielten sie sich über Wasser wurden sie nachfolgend durch
Folter zu einem Geständnis gezwungen. Die Wasserprobe wurde 2-3 mal
wiederholt.
Das Teufelsmal (stigma
diabolicum) war eine weitere Probe, Nadelprobe genannt. Man ging davon aus,
dass der Teufel ein heimliches Zeichen auf den Körper einer Hexe machte. Nun
stach man mit einer Nadel in ein Muttermal, eine Narbe oder einen
Leberfleck. Wenn die Betroffene nicht blutete, war sie schuldig. Bei dieser
Prüfung kam es auch oft vor, dass der Inquisitor die Nadel umdrehte und mit
dem Nadelkopf zustach, so dass die Beschuldigte gar nicht bluten konnte.
Ungeachtet dessen fanden bei den Untersuchungen Missbräuche und sexuelle
Eskapaden statt.
Die Hexenwaage wurde auch
verwendet, da man glaubte, daß Hexen leichter wären als gewöhnliche
Menschen. Man wog die verdächtigen gegen 50 Pfund auf. In Bredford ging man
sogar soweit das Opfer gegen eine 12 Pfund schwere Bibel aufzuwiegen. Die
Frauen wurden entkleidet und auf schwere Gegenstände untersucht.
Hexenfolter
Im
Laufe der Jahre wurden die Hexen gar nicht mehr geprüft, sondern gleich in
die Folterkammer gebracht, wo sie dann gefragt wurden, ob sie Hexen seien.
Wobei die Folterkammer auch den Zweck hatte, noch mehr mutmassliche Hexen zu
verhaften.
Man zeigte dem Opfer die
Folterinstrumente und warnte es, dass man diese anwenden würde, falls es
nicht gestehen würde. Gestand die Angeklagte nicht, wurde sie auf grausamste
Art und Weise gefoltert.
Beginnend mit den Daumenschrauben, über Beinschrauben, bis hin zur
Feuerfolter. Bei der Folter mit dem Feuer, wurden dem Opfer Flammen unter
die Achselhöhlen oder an andere Körperteile gehalten.
Nicht zu vergessen ist die
"eiserne Jungfrau" von der es mehrere Variationen gab, eine grausamer als
die andere. Sie ist eine Maschine in einer Gestalt mit beweglichen Arme und
Schwertern. Der Verurteilte wird gezwungen sich ihr zu nähern, die
"Jungfrau" umarmt das Opfer und durchbohrt es mit den Schwertern.
Eine weitere grausame Version der eisernen Jungfrau ist eine Art Zwangssarg.
Das Opfer liegt zwischen zwei Brettern, jeglicher Bewegung beraubt. Die
Bretter werden so lange enger zugedreht, bis das Opfer gesteht.
Um es zusammenzufassen, jeder
konnte der Hexerei angeklagt werden, wenn auch nur irgendjemand ihn
anklagte.
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Hexenverfolgung
a
Von ca. 1450 bis 1792 forderte
die Hexenverfolgung europaweit unzählige Opfer, von denen jedoch nur
ungefähr 200.000 schriftlich festgehalten wurden. Allein zwischen 1625 und
1630, dem Höhepunkt dieses Wahns, wurden fast 1/20 der europäischen
Bevölkerung auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.
Der Anfang
Die
Menschen glaubten von Jeher an Wahrsagerei, Schadenszauber und
Wettermacherei. Aber dieser Glaube wird von der Kirche Jahrhunderte lang als
Sünde bekämpft, da solcher Aberglaube noch aus vorchristlichen Zeiten
herrührt und gipfelt 785 in der Heiligen Synode von Paderborn, wo beschloßen
wird: Wer vom Teufel verleitet nach heidnischem Glauben behauptet, daß es
Hexen gibt und sie auf dem Scheiterhaufen verbrennt, wird mit dem Tode
bestraft. Das Dekret wurde von Karl dem Großen bestätigt und enthielt die
Anordnung, daß alle aus der christlichen Gemeinschaft ausgeschlossen werden
sollten, die an teuflische Magie und an den nächtlichen Flug der Hexen
glaubte. Um 906 werden in der für Jahrhunderte verbindlichen kirchlichen
Rechtsverordnung Luftfahrten von Frauen und Verwandlung von Menschen in
Tiere erörtert und beschrieben, aber als Vorspiegelungen des Teufels und
Wahnvorstellungen bezeichnet.
Inquisition
Im 11. Jhd. gelangten
neue Glaubensideen nach Europa, Sekten erhielten starken Zustrom, der Kirche
springen die Gläubigen ab, da die Kirche für die Menschen aufgrund ihrer
Machtstruktur, ihrem Reichtum und dem schlechten Beispiel ihrer Oberen,
nicht mehr als Vorbild der Menschen diente. Nach dem Auftreten der
Albigenser und der Waldenser wurde die Inquisition Selbstschutz der Kirche
gegen die Gefährdung durch diese Ketzer gebildet. Die Inquisition wird als
Organisation gegründet, die die Verfolgung von Ketzern zur Reinerhaltung des
Glaubens betreibt. Ziel ist nicht, Ketzer aufzuspüren, um sie zu töten,
sondern die Rettung ihrer Seelen, wobei jedes Mittel recht ist. Um 1150 wird
die Verbrennung zur üblichen Strafe für Ketzer. Die Kirche übergibt Ketzer
der weltlichen Gerichtsbarkeit zur Verurteilung, damit an ihren Händen kein
Blut klebt. Ab 1232 gilt jede Verleugnung der päpstlichen Autorität oder
eine Abweichung von der
offiziellen Kirchenmeinung als Ketzerei und wird verfolgt. 1233 wird in der
Ketzerbulle von Papst Gregor IX Ketzerei und Hexerei in Verbindung gebracht.
Im 13. Jhd. bestätigt Thomas von Aquin die Existenz von Hexen und folglich
auch von Dämonen. Er erklärt, daß es die Magie gebe und daß sie nicht das
Werk der Hexen, sondern der Teufel sei. Er gilt als bedeutendster Philosoph
und Theologe des Mittelalters mit Einfluß auf die katholische Lehre bis
heute. Er entwickelte eine Aberglaubenstheorie, wonach der Mensch mit den
Dämonen einen ausdrücklichen oder stillschweigenden Pakt eingehen kann.
Somit können alle abergläubischen Handlungen ketzerisch sein. Er behauptet
die Möglichkeit des Geschlechtsverkehrs zwischen Menschen und Dämon (Teufelsbuhlschaft).
Die Ketzer werden rücksichtslos verfolgt und ausgemerzt, aber es kommt auch
schon zu vereinzelten Verurteilungen wegen Hexerei. 1264 wird die erste
Hexenverurteilung festgehalten. Bis ins 15. Jhd. folgen weitere
wissenschaftliche Begründungen für den Dämonenglauben. Da Teufelspakt Abfall
von Gott bedeutet wird ein besonderer Verbrechensbegriff, die Hexerei
begründet. Der Glaube entsteht, es gäbe eine satanische Sekte, die dabei
ist, den christlichen Glauben zu unterhöhlen. Durch den 1456 erfundenen
Buchdruck können solche Werte rasch und weit verbreitet werden.
Menschenjagd
Das Ende des 15.
Jahrhunderts war geprägt von politischen, religiösen, sozialen und
wirtschaftlichen Krisen und Umwälzungen. Die Masse verarmt, Seuchen, Kriege.
Das Jahrhundert neigt sich seinem Ende zu, die Menschen glauben, der Jüngste
Tag rücke näher. Die Medizin wurde immer mehr zu etwas Mystischem, bald war
der Glaube geboren, daß die Verursachung von Krankheiten aus Zauberei und
dergleichen Künsten herrührten. Glaube und Aberglaube gingen ineinander über
und wurden eins. Prediger schürten den Aberglauben mit der Herausgabe von
Zeitungen über Teufel und Gespenster, Unholde, Hexen, Feuerzeichen am
Himmel, Christuswunder und andere Zeichen göttlichen Zorns und verbreiteten
Weltuntergangsstimmung und Furcht vor den jüngsten Tag. Die Männer der
Kirche nährten den Glauben des Volkes, die Hexen seien in ein großes
geheimes Komplott unter der Führung des Teufels verwickelt, mit dem das
Königreich Gottes auf Erden gestürzt werden sollte. Sie prägten die
Vorstellungen der schwarzen Messe, schmückte sie aus und redeten den Laien
ein, daß solche Messen oft stattfanden.
Warum? Die Inquisition
brauchte diese allgemeine Wahnvorstellungen, weil ihre eigentlich Aufgabe
mit der Vernichtung der Albigenser, der Waldenser und anderer Ketzergruppen
endgültig erledigt war. Um ihre Existenz weiter zu rechtfertigen, brauchte
sie neue Opfer: Der Hexenwahn war die Lösung dieses Problems. Welcher
weltlichen Verbrechen man auch immer die Hexen bezichtigte - das Verbrechen,
um deswegen sie allesamt auf den Scheiterhaufen geschickt wurden, war ein
Verbrechen, dessen sie allesamt völlig unschuldig waren, weil sie es gar
nicht begangen haben konnten: Das Verbrechen des Paktes mit einem wirklichen
Teufel 1484 erließ Papst Innozenz VIII. die berüchtigte ,,Hexenbulle" gegen
Zauberei durch Personen beiderlei Geschlechts in den Bistümern Mainz, Köln,
Trier und Salzburg und setzte die Dominikaner Jakob Sprenger und Heinrich
Institoris als Inquisitoren ein. Sie durften bei ihrem Amt "durch keinerlei
Gewalt beeinträchtigt oder sonst auf irgendeine Weise gehindert werden".
Damit war die Grundlage für eine jahrhundertelange Flut von Hexenprozessen
gelegt.
Hexenhammer

1487 veröffentlichten
Jakob Sprenger und Heinrich Institoris den "Hexenhammer", DAS Buch, das zur
Grundlage für die großen Hexenverfolgungen wurde. Im Hexenhammer ist eine
Darstellung aller Elemente des Hexenglaubens. Hexenglaube und die Vorgänge
bei der Behexung von Menschen werden beschrieben. Weil die Schandtaten der
Hexen alle anderen Verbrechen übertreffen, müssen alle Hexen ausgerottet
werden. Die Hexen versuchen auf jede Art ihr Ziel zu erreichen, besonders
dadurch, daß sie zuerst den Seelenzustand eines Menschen ihrem Vorhaben
dienstbar machen. Sie erzeugen Verdruß, Traurigkeit und Erregung der
Fleischeslüste, weil in diesem Zustand die Menschen den Werbungen des
Teufels am ehesten erliegen. Der Hexenhammer regelte außerdem auch das
prozeßuale Verfahren. Der Hexenhammer baut sich in drei Teile auf: 1. Wer
Teil hat an Hexerei. (Teufel, Hexe, mit Begründung der Autoren, warum schon
das Leugnen des Hexenglaubens als verwerfliche Ketzerei anzusehen sei und
daher jede Kritik selbstmörderisch war). 2. Die verschiedenen Arten und
Wirkungen der Hexerei und wie solche wieder behoben werden können.
(Beschreibung der Untaten) Nach der Beschreibung im ,,Hexenhammer" sind die
Merkmale der Hexerei: Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft (d.h. sexueller Verkehr
mit dem Teufel), Flug durch die Luft, Hexensabbat (d.h. Treffen mit
Teufelsanbetung) und Schadenszauber. Den Hexen wurden folgende Kräfte
nachgesagt: - Wetterzauber, nämlich das Verwüsten der Felder durch
Hagelsturm und Blitzschlag, Schnee, Reif, Ungeziefer, - Verwandeln von
Menschen in Tiere, - Anhexen von Krankheiten, - Vernichtung der
Zeugungskraft des Mannes, z.B. durch Wegzaubern des Penis. 3. Der
Kriminal-Kodex: Über die Arten der Ausrottung oder wenigstens Bestrafung
durch die gebührende Gerechtigkeit vor dem geistlichen oder weltlichen
Gericht, eine praktische Anleitung für die Gerichte und Betonung auf die
"Vorteile" des Inquisitionsprozesses, der weder ein Anklageverfahren noch
eine Verteidigung des Verdächtigten erfordert. Dadurch wurde aus der Hexerei
ein Sonderverbrechen, sie wurde gleichgesetzt mit Verrat und Verschwörung,
Raubmord usw… Das hatte zur Folge, daß die Angeklagten nur eine minimale
Chance hatten, sich der Bestrafung zu entziehen. Unter Berufung auf den
,,Hexenhammer" war für den Richter jedes Mittel gerechtfertigt, das
Geständnis des Angeklagten zu erlangen. Die einschneidenste Änderung aber
blieb der Verzicht auf eine ordnungsgemäße Anklage durch einen Kläger. Die
Verurteilung konnte, entgegen geltendem Prozeßrecht im früheren
Anklageprozeß, ohne Kläger nur auf dem erpreßten Geständnis beruhend
vollstreckt werden. Aber die Außmaße der Verfolgung hatten ihre Ursache in
der "Peinlichen Gerichtsordnung Kaiser Karl des V-ten", kurz Carolina
genannt, in der für eine Urteilsprechung keine Zeugenaussagen mehr nötig
waren. Das Geständnis des Angeklagten galt als Beweis… und zur Erzielung
dessen war auch die Folter gestattet.
Das Verfahren
Ein Hexenprozess wurde
anonym eröffnet, jeder konnte jeden denuzieren und es war gewährleistet, daß
derjenige dem Opfer nie bekannt wurde. Es reichte aus, wenn angezeigt wurde,
man hätte das Opfer gesehen, wie es die und die Dinge tat… und was eine Hexe
ja tat, war den Leute lange genug eingetrichtert worden. Auf diese Weise
wurde es einfach, eine unerwünschte Ehefrau, Schwiegermutter oder Nachbarin
loszuwerden. Auch Frauen, die irgendwie aus dem Rahmen fielen, die besonders
hübsch oder besonders häßlich, die besonders auffällig oder unauffällig, die
betont fromm oder betont unfromm waren, waren gefährdet. Im Grunde genommen
war jede Frau gefährdet, sich als Angeklagte wieder zu finden. 80% der Opfer
waren Frauen, schon im Hexenhammer wurde fast ausschließlich von weiblichen
Hexen geschrieben, da Frauen schon aufgrund der Bibel (Adam und Eva), als
das Geschlecht galten, die von Natur aus leichter dem Bösen verfielen.
Selbst vor Kindern wurde nicht halt gemacht. Es sind Opfer verzeichnet, die
lediglich vier Jahre alt waren und bereits als Hexen verbrannt wurden. Es
gab Dörfer, in denen nach den großen Hexenprozessen lediglich zwei Frauen
die Jagd überlebten. Nach der Denunziation wurde das Opfer verhaftet. Als
Erstes wurde es ausgezogen und alle Körperhaare abrasiert, denn es wurde
nach dem Hexenmal gesucht. Es herrschte der Glaube, der Teufel würde jede
seiner Anhängerinnen mit einem Mal kennzeichnen. Dies konnte alles sein, ein
Leberfleck oder eine Narbe, die irgendwie auffiel… man sieht, auf diese
Weise konnte man bei jedem Opfer ein Hexenmal finden. In das Mal wurde
gestochen, blutete es nicht, war es bewiesen, daß das Opfer eine Hexe war.
Blutete es, bedeutete dies nicht die Unschuld, denn daraus wurde
geschlossen, der Teufel hätte seiner Anhängerin die Fähigkeit gegeben, aus
dem Mal zu bluten, so daß sie nicht entdeckt wurde. Als nächstes wurde die
Angeklagte der peinlichen Befragung unterzogen. Peinlich befragt kommt von
Pain, Schmerz und bedeutet Folterung. Nur durch Folterung als Mittel der
Wahrheitsfindung konnte es zu diesen absurden Geständnissen kommen. Es wurde
in mehreren Stufen gefoltert, zuerst wurden den Angeklagten die Instrumente
gezeigt und ausmalend erklärt, was sie erwartete. Wenn die Drohung nicht
wirkte, begann die peinliche Befragung. Und zwar so lange bis das Opfer
"freiwillig außerhalb der Folterkammer gestand". Das bedeutete, die
Angeklagte wurde zum Geständnis in einen Nebenraum gebracht, gestand sie
nicht freiwillig, bedeutete dies zurück zur peinlichen Befragung. Viele
Opfer wiederriefen ihre Geständnisse nach der Folter. Dies hatte nur zur
Folge, daß sie erneut der Marter unterzogen worden, bis sie erneut
gestanden. Aber warum galt die Folter als so verläßliches Mittel zur
Wahrheitsfindung? Die Menschen glaubten, durch den Schmerz würde der Teufel
die Hexe verlassen und sie würde unter der peinlichen Befragung die Wahrheit
sprechen. Ein Widerruf danach bedeutete lediglich, daß der Teufel sie wieder
dazu gebracht hatte, zu leugnen. Hin und wieder gab es Menschen, die es
schafften, der ganzen Folter zu widerstehen, ohne zu gestehen. Denen war das
grausamste Schicksal zuteil. Als unreuige Sünder wurden sie in der Regel
lebendig verbrannt. Unter der Folter gestanden so gut wie alle Opfer. Es ist
auffällig, daß jedes Geständnis genau den gleichen Inhalt hat, wie im
Hexenhammer beschrieben. Selbst wenn die Angeklagte bereits vor der Folter
geständig war, eine Hexe zu sein (es gab immer wieder Geisteskranke, die
freiwillig gestanden), während der Folter änderte sich das Geständnis auf
das, was im Hexenhammer beschrieben wurde, auch wenn das Opfer das Buch
niemals gelesen hat, ja gar nicht lesen konnte. Es ist anzunehmen, daß die
Folterer das Geständnis diktierten und das Opfer nur noch bejahen mußte (zu
mehr darf so eine arme Frau nach stundenlanger Qual auch gar nicht mehr in
der Lage gewesen sein). Das Geständnis war der Beweis. Das Opfer wurde
verurteilt. Eine besondere Funktion der Folter war das Nennen von Komplizen,
das solange fortgeführt wurde, bis die Angeklagte zwanzig bis vierzig
weitere Namen genannt hatte. Die Genannten wurden ebenfalls verhaftet und
gerieten auch in das Mahlwerk Hexenprozess. Selbst vor der Folter von
Kindern wurden nicht zurückgeschreckt, im Gegenteil, es gab die Anordnung,
Kinder sofort und ohne Aufenthalt zu foltern. Aufgrund der leichten
Beinflussung von Kindern und ihrer Phantasie legten sie die ausführlichsten
Geständnisse ab, benannten die meisten Komplizen. Eine Verteidigung war so
gut wie ausgeschlossen, jede, der eine Hexe verteidigte, geriet in Verdacht,
selber eine zu sein und geriet in Gefahr, sich als Angeklagter wieder zu
finden. Die Strafe war grausam: der Tod auf dem Scheiterhaufen. In der Regel
jedoch wurden geständige und reuige Angeklagte der Barmherzigkeit zuteil,
vor der Verbrennung enthauptet oder erwürgt zu werden. Lediglich unreuigen
und ungeständigen Angeklagten wurde die besondere Qual der lebendigen
Verbrennung zuteil.
Das Ende
Aufklärung und Kultur der
Renaissance breiten sich gegen Ende des 16. Jhd. über Europa aus. Kritische
Vernunft und Wissenschaft erlangen wieder Bedeutung… die
Inquisitionsgerichte verschwinden allmählich…
In Deutschland findet der letzte
Hexenprozess 1793 im Großherzogtum Posen statt. Die letzte Hexe, die
bewiesenermaßen auf europäischem Boden hingerichtet wird, ist Anna Göldin
aus Glarus in der Schweiz. Sie gesteht nach wochenlangen Verhören und Folter
und wird 1782 hingerichtet. Die letzte Frau, die wegen Hexerei angeklagt,
aber nicht verurteilt wird, soll eine Frau 1944 in England gewesen sein.
In Großbritanien werden erst in den 50er Jahren dieses Jahrhunderts die
Gesetzte gegen Hexerei abgeschafft.
Aber noch Jahrhunderte länger
hält sich der Aberglaube vom Zusammengehören von Magie und Teufelsbuhlschaft
in den Köpfen der Menschen… teilweise bis heute.
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Hexenwahn
a
1927
In Franken lauert eine Frau einer alten Frau nach einem Kirchgang auf. Sie
sticht auf die 72-jährige Frau ein, da sie der Meinung war, die alte Dame
wäre eine Hexe und müsse unschädlich gemacht werden.
1929
In Norddeutschland gerät eine Familie in die Hände eines Pfuschers. Die
Kinder wurden für verhext gehalten und man hinderte sie mit Schlägen und
Toben am einschlafen. Die Kinder sterben daran.
1930
Dorfbewohner zünden
das Anwesen einer Bäuerin an, da sie diese für eine Hexe halten und für das
Unglück an der eigenen Familie verantwortlich machen.
1944
In London wird gegen Helen Duncan ein Hexenprozess geführt. Man beruft sich
auf das Hexengesetz aus dem 18ten Jahrhundert. Sie kommt ins Gefängnis und
stirbt bei einer weiteren Verhaftung an einem Schock.
1950
Eine 39-jährige Frau wirft sich bei einem Selbstmordversuch vor einen Zug,
kommt jedoch mit schweren Verletzungen davon. Sie war der Meinung, sie sei
eine Hexe.
1951
Ein 19-jähriger erschlägt seinen Großvater, weil er der Meinung war -
bestärkt durch seine Mutter - dass der alte Herr ein Hexer wäre und ihm sein
Magenleiden angehext hätte. Nach dieser Tat erhängte sich der 19-jährige.
1952
Eine Frau behauptet, dass ihr Mann sie verhext hätte, nachdem sie geschieden
worden waren.
1952
In England wurde das letzte Gesetz gegen Hexerei aus den Büchern gestrichen.
1954
Eine 34-jährige glaubt, dass man aus einem Handtuch Milch melken könne, wenn
man fest daran glauben würde.
1969
In Ungarn versuchen 6 Zigeuner eine alte Frau als Hexe zu verbrennen.
1970
In Mexiko wird ein Hexenring aufgedeckt, der 12 Personen mit rituellen
Zeremonien umgebracht haben soll.
1973
In Indien gibt es eine Sekte mit dem Namen "Seelendiebe". Angeblich
entführen sie manchmal Kinder aus Dörfern und nutzen sie für rituelle
Zwecke. Sie sollen angeblich auch mindestens 30 Personen erschlagen haben.
1976
Auf bischöfliche Anweisung hin, wird der 23-jährigen Anneliese Michel in
Klingenberg/Main von zwei Geistlichen der Teufel ausgetrieben. Sie stirbt
unter Gebeten.
1979
In Nairobi werden zwei Stammeszauberinen beschuldigt einen Mann durch
Hexerei impotent gemacht zu haben.
Der 28-jährige Benedict Polimon auf der Insel Mauritius befolgt den Rat
eines Wunderheilers, um seine Blutarmut zu kurieren. Er solle das Blut eines
13-jährigen trinken, den man kurz zuvor umgebracht hat.
Ein Theologiestudent aus Würzburg sticht in einem religiösen Wahnanfall,
einem Pförtner ein Auge aus und kastriert ihn danach.
1981
Eine Mutter aus Kiel erwürgt ihre 6-jährige Tochter, um ihr den Teufel
auszutreiben.
1983
In Basel lebt der Hexenmeister Johann Rühlin, alias "Sartorius". Er hält
sich für den Stellvertreter Satans, mit dem er bereits 1980 gekämpft haben
will.
1995
In Tennessee
beschwerte sich ein neunjähriges Mädchen über ihren Babysitter, weil er sie
sexuell belästigt hatte. Die Mutter des Mädchens, eine Wicca, wollte
daraufhin den Babysitter anzeigen. Doch dieser drehte den Spiess um und
beschuldigte sie der sexuellen Nötigung. Bei einer Hausdurchsuchung wurden
ihr Athame und ihre Tarotkarten sichergestellt. Beim folgenden Prozess
verwickelte sich der Babysitter in viele Wiedersprüche. Doch auf Grund
seinen Aussagen, dass sie ihn zum Geschlechtsverkehr, zum trinken von Blut
und zur Einnahme von Drogen gezwungen hatte, wurde sie trotzdem zu zwölf
Jahren Haft verurteilt
In Onslow County, North Carolina
suchte Kathleen Jones die Hilfe der örtlichen Sozialbehörde (Departement of
Social Services). Ein Angestellter der DSS kam zu ihr in die Wohnung und sah
ihren Altar und weitere religiöse Gegenstände, denn sie war eine Wicca.
Kurze Zeit später wurde ihr Sohn, damals 12 Jahre alt aus ihrem Haushalt
weggenommen und in Fürsorge gegeben. Das Gericht ordnete sogar an, dass er
jeden Sonntag einen christlichen Gottesdienst besuchen musste.
Das Kuratorium einer Bibliothek
in Hastings, Nebraska münzte die Empfehlung eines Bürgerkomitees um und
weigerte sich, mehr als 40 Kinderbücher mit Sachverhalten wie Hexerei und
Gespenstern zu entfernen. Ein Treuhänder bemerkte, dass alles in der
Bücherei irgend jemandem anstossvoll sei. Das Kuratorium merkte an, dass
Eltern, die über solche Sachen besorgt sind, die Literaturauswahlen ihrer
Kinder ja selbst überprüfen können.
Zwei grosse Kaufhausketten,
Kmart und Wal-Mart, entfernten CDs von der Bostoner Band Godsmack aus ihren
Regalen, nachdem sich Eltern über die profanen Lyrics und ein Pentagramm auf
dem Cover beschwerten.
1998
Papst Johannes Paul hat sich für die Verfehlungen der Römisch Katholischen
Kirche während des Holocaust entschuldigt. Er meinte "Der Holocaust war das
Werk eines durch und durch Neo-Heidnischen Regimes." (Associated Press,
3/16/98)
Ein Teenager in Wisconsin hatte
sich darüber beschwert das sie über die Internetverbindung der
Schulbibliothek keine Seiten über das Hexentum, Magie und Erd-bezogene
Religionen ansehen konnte. Der Leiter des Abteilung teilte dem Mädchen mit,
dass sie sich nur über Christliche Religionen informieren könne. Der
Schulbezirk hat Richtlinien erlassen, um Schüler vor unangemessenen
Internetseiten zu schützen, überwacht durch erwachsene Aufsichtspersonen.
Ein Schulsprecher sprach sich jetzt gegen diese Einschränkung der
Redefreiheit aus, die Familie des Mädchens nahm sich einen Anwalt.
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Feiertage
a
Hier sind ein paar
Feiertage zusammengetragen und kurz beschrieben, die für so manche Hexe
Relevanz haben. Wer eine längere Beschreibung dieser Feiertage sucht, wird
auf der Keltenseite bestimmt fündig.
Julfest
(Wintersonnenwende) 22.Dezember
Es ist der
kürzeste Tag des Jahres, demzufolge auch die längste Nacht. Man hat das
Gefühl es wird überhaupt nicht mehr richtig hell. Die Göttin schenkt in
dieser Nacht dem Sonnengott neues Leben, die Tage beginnen von nun an wieder
länger zu werden. Da eine Geburt anstrengend ist ruht die Göttin den
restlichen Winter über um neue Kraft für den Frühling zu schöpfen. Menschen
finden in dieser kalten Zeit mehr zueinander und zünden Kerzen, um die
Dunkelheit zu verscheuchen und Wärme zu spenden.
Lichtmess, 01. Februar
Diese Zeit
trennt die kalte Zeit der Dunkelheit von der warmen Zeit des Sommers. Der
Sonnengott wird stärker, die Tage werden wieder länger. Die Göttin hat
sich von der Geburt des neuen Gottes erholt. Symbolisch ist dieses Fest
Brigid, Schutzpatronin der Heilkunst, Schmiedekunst und Dichtkunst gewidmet.
An diesem Fest werden viele Kerzen angezündet, um die Wiedergeburt des
Lichts zu symbolisieren.
Ostara
(Frühlingstagundnachtgleiche) 20./21 März
Unser heutiges Ostern ist von diesem Fest abgeleitet. Der Hase als Symbol
für die Vermehrung und das Ei als Ableitung für Fruchtbarkeit. Wie der Name
dieses Festes schon sagt, sind vom 20. auf den 21. März Tag und Nacht gleich
lang. Die Tage beginnen nun länger zu werden und besiegen die Dunkelheit.
Die Kraft des Sonnengottes wird nun von tag zu tag stärker. Im keltischen
wurde dieses Fest zu ehren von Morgaine le Fay gefeiert. Es ist die zeit der
Feen und Elfen. An Ostara trifft der noch junge Sonnengott Jul zum ersten
mal auf die sich wieder regenerierende und aufblühende Göttin. Er wird sich
an Beltane (die Nacht zum ersten Mai) vereinigen und neues Leben schaffen.
Die Zeit der Aussaat beginnt, um an Lammas die Ernte für die dunkle Zeit
einholen zu können.
Beltane
(Walpurgisnacht, Hexennacht) in der Nacht zum ersten Mai
Eine der
schönsten Nächte des Jahres, endlich wird es wärmer, überall ist es richtig
schön frisch grün und alles duftet schon nach Sommer. Ein wunderbares
Gefühl. Der Sonnengott übernimmt nun das Zepter. Er vereint sich mit der
Mondgöttin, sie ist das Symbol für die Fruchtbarkeit. Sie zeugen neues
Leben. Die Natur wird von Tag zu Tag stärker und regeneriert sich immer
schneller. Beltane ist der höchste Feiertag im
Hexenglauben. Früher wurden im überall große Feuer entzündet und die jungen
Frauen suchten sich die stattlichsten Männer um in dieser Nacht neues Leben
zu zeugen. Sie sprangen gemeinsam über die Feuer und warfen ihre Ängste
hinein oder sprachen einen Wunsch. Wer an Beltane über das Feuer sprang galt
damals praktisch als einander versprochen. Damals wie heute war es die Nacht
der Ausgelassenheit und des Schabernacks. In Süddeutschland werden heute
noch in dieser Nacht ungeliebten Menschen Streiche gespielt. Der christliche
Maifeiertag ist aus diesem Fest entstanden.
Litha
(Sommersonnenwende) 21. Juni
Es ist die
Fruchtbarste Zeit des Jahres. Die Natur hat sich vollkommen regeneriert.
Aber die Zeit des Abschieds wird bald kommen. Die Sonne hat ihren Höchsten
Stand erreicht und es ist der längste Tag es Jahres und damit auch die
kürzeste Nacht. Von nun an werden die Tage wieder kürzer werden. Die grosse
Göttin vermählt sich nun und segnet die Früchte. Es ist die Zeit der Heilung
und des schnellsten Wachstums.
Lammas
(Schnitterfest) 1. August
Von nun an
werden die Tage wieder kühler, die warme Zeit des Jahres neigt sich dem Ende
zu.
Es ist die
Zeit der ersten Ernte, die wir an Ostara zu sähen begonnen haben, für die
wir der Göttin danken.
Das
Jahresrad dreht sich Richtung Herbst.
Nun beginnen
wir Abschied zu nehmen vom Sommer, obwohl die warmen Tage noch in vollem
Gange sind.
Es ist ein
Fest über die Freude an der Sonne, der Wärme.
Aus diesem
Fest ist das christliche "Erntedankfest" entstanden.
Mabon
(Herbsttagundnachtgleiche)
20/21. September
Tag und Nacht sind von 20. auf den 21. September wieder gleich. Es ist die
Zeit, Abschied zu nehmen. Der Sonnenkönig wird zum Herrn des Schattens,
verläßt seinen Körper und nimmt Abschied gen Westen. Es ist sozusagen das
Erntedankfest im Hexenglauben. Die Zeit der Unfruchtbarkeit und des Sterbens
beginnt.
Samhain (Halloween)
Der 1.
November ist im Hexenkalender Neujahr. Die Grenze zur anderen Welt ist in
dieser Nacht wohl am leichtesten zu überschreiten. Das Jahresrad dreht sich
langsam in die Richtung der Dunklen Zeit, Zeit des Todes. Die Natur stirbt.
Der Brauch, an den Türen zu sammeln kommt aus Grossbritanien, hier wurde an
diesem Tag für die Alten und Armen gesammelt. Es ist das Fest, um an die
Alten, Grosseltern, zu denken, sie symbolisieren hier das Alter und die
Sterblichkeit. Stelle in dieser Nacht ein paar Kekse und Milch auf die
Fensterbank, für die Elfen, Gnome und Feen, die in dieser Nacht durch die
gefallene Barriere in unsere Welt kommen. Der Sonnengott stirbt an Samhain,
um dann am Julfest neu geboren zu werden. Die grosse Muttergöttin übernimmt
wieder das Zepter. Die Halloweenkürbisse haben auch durchaus eine
Bedeutung. Man versucht in dieser Nacht die bösen Geister aus der anderen
Welt fern zu halten. Aus diesem Fest entstand das christliche
"Allerheiligen", an dem an die Toten gedacht wird.
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Das
Pentagramm
a
Im
Gegensatz zum - oberflächlich betrachtet ähnlichen - Hexagramm, einem durch
zwei Dreiecke gebildeten Sechsstern, wir das fünfzackige Pentagramm in einer
einzigen Linie gezogen. Es ist seit der Antike ein Heilszeichen und spielt
beispielsweise im Islam nach wie vor eine große Rolle. Wie früher auch
hierzulande, ist man im Orient der festen Überzeugung, ein Pentagramm auf
der Türschwelle halte böse Geister davon ab, in das Haus einzudringen.
In Deutschland war das Pentagramm früher als "Drudenfuß", seltener als "Alfenfuß"
bekannt. Diese Bezeichnung spielt auf den Glauben an, daß die Druden (oder
auch Truden), die Alpe und Hexen einen Gänse- oder Entenfuß hätten, dessen
Abdruck in etwa die Form eines Pentagramms gleiche (Entenfuß).
Gewissermaßen um Gleiches mit Gleichem zu bekämpfen, wurde der fünfzackige
Stern auch in unseren Breiten zur Abwehr dieser Wesen aus geweihtem Wachs
geformt und am Abend vor Dreikönig an Türen oder anderen wichtigen Stellen
des Hauses angebracht oder aber mit Kreide vor allem an die Ställe
gezeichnet.
Im Jahre 1699 berichtet ein Chronist aus dem Erzgebirge:
"Drutten Figuren siehet man an Thüren oder in Wiegen der kleinen Kinder
aus Aberglauben angeschrieben." Kein böser Geist, nicht Hexe oder Teufel
sollten imstande sein, an diesem Zeichen vorbeizuschlüpfen. Auch Johannes
Prätorius wußte um diesen Brauch. Bei ihm heißt es: "Daher solcher
Aberglauben noch bey etlichen Weibern, daß sie solch Heydnisches Zeichen des
Druyden-Fußes oben und unten an die Wiegen mit eingelegtem Holz oder Farben
machen, wider der Hexerey."
Wie aus Goethes "Faust" bekannt, ist es wichtig, daß der Drudenfuß
"geschlossen" ist; so schafft es Mephisto nur dashalb zu Faust vorzudringen,
weil das Pentagramm auf seiner Türschwelle nicht ordentliche gezeichnet ist.
Er erklärt:
"Beschauet es recht! es ist nicht gut gezogen:
Der eine Winkel, der nach außen zu,
Ist, wie du siehst, ein wenig offen."
Welch große Macht dem Pentagramm zugeschrieben wurde, zeigt, daß selbst in
der Heilig-Geist-Kirche zu Wismar, dierekt vor dem Altar, ein Drudenfuß in
den Stein einer Grabplatte geritzt ist, der, wie die nebenstehene
Informationstafel erläutert, dazu dienen sollte, den Altar vor allem Übel zu
bewahren.
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Hexengarten
Wer von uns erinnert sich nicht
an die Mischung aus Staunen und Entsetzen, die er als Kind empfand, als er
zum ersten Mal in seinem Leben ein Märchen der Gebrüder Grimm oder von H. C.
Andersen hörte, das von einer Hexe erzählte, die in einer abgelegenen,
finsteren Hütte lebte, inmitten eines verwilderten Gartens, wo Gift- und
Zauberpflanzen mit alten, knorrigen Bäumen um die Wette wucherten.
Die Hexe und ihre Behausung existierten jedoch außer im Reich der Phantasie
nie in dieser Form - in Wirklichkeit lebte sie nämlich Seite an Seite mit
den Bauern im Dorf. Sie wagte aber nicht, wie die alten Mönche und
Kräuterheilkundigen einen Garten anzulegen, in dem sie ihre Kräuter
planmäßig hätte anbauen können, vielmehr sammelte sie die Pflanzen, die sie
verwenden wollte, entweder an den Stellen, wo sie wild wuchsen, -oder sie
baute sie heimlich an verborgenen Plätzen an. Diese zerstreut liegenden
Anbaugebiete der Hexe erinnern an die Aufteilung alter Gehöfte, die sich
häufig auf die gleiche Weise aus weit auseinander liegenden Feldern, Wiesen
und Torfstechgebieten zusammensetzten. So betrachtet, kann man wohl beruhigt
von einem Hexengarten sprechen, obwohl er eigentlich auf ein Dutzend
oder mehr Stellen in der näheren Umgebung verstreut war.
Ich will nun in den folgenden Kapiteln eine kleine Anzahl von Pflanzen
behandeln, von denen mit Sicherheit festgestellt worden ist, daß sie in
weiten Teilen der alten Welt während Tausenden von Jahren von Hexen und
Giftmischern eingesetzt worden sind; vor allem wurden sie auch in den
Flugsalben verwendet, mit denen sich die Hexen einrieben, bevor sie sich auf
die Reise zum Sabbat begaben. Darüber hinaus werde ich noch eine Anzahl von
Pflanzen besprechen, die zwar im Anbaugebiet der Hexe wuchsen, jedoch an so
abgelegenen Stellen, daß sie sich nur ab und zu auf die Suche nach ihnen
machte.
Um den tiefgreifenden Einfluß von Halluzinogenen auf viele Bereiche
menschlicher Aktivitäten vollkommen zu verstehen, muß man ein klares Bild
ihrer fundamentalen Bedeutung in frühen europäischen Kulturen geliefert
werden. Gerade in diesen geographischen Breiten ging der Gebrauch von
bewußtseinserweiternden Drogen und Giften weit über magisch-religiöse
Zeremonien und Heilungsrituale hinaus und schloß vielmehr die gesamte
Philosophie von Geburt, Leben und Tod in sich ein. Die gedanklichen
Grundlagen, auf denen die Hexenkunst basierte, wie - die Beeinflussung des
Übernatürlichen für gute oder üble Zwecke, die Heilung oder das
Heraufbeschwören von Krankheiten, Praktiken, die Geburt als auch den Schutz
des Neugeborenen vor böswilligen Einflüssen umfaßten, die Vorbereitung auf
den Tod und auch häufig das Beschützen der Seele nach dem Tod - waren durch
das ganze Mittelalter hindurch für die gesamte europäische Kultur
charakteristisch. Rauschpflanzen waren während dieser langen Zeitspanne
wesentlicher Bestandteil der Aktivitäten der Hexen, und ihr Einfluß dauerte,
wenn auch in leicht verwässerter Form, bis relativ weit in die heutige Zeit
hinein. Obwohl oberflächlich betrachtet kein Zusammenhang mehr bestehen mag,
so sind doch die derzeitigen, etwas problematischen Praktiken des Exorzismus
in Europa ein direkter Abkömmling der mit der Unterstützung von Rauschdrogen
arbeitenden Hexenkunst früherer Zeiten, die selbst die Religionen Zu
unterminieren vermochte, durch die die europäischen Völker lange Zeit
geknechtet wurden.
Das rätselhafte Antoniusfeuer (Ergotismus) ist ein gutes Beispiel für
den starken Einfluß, den die mit Rauschdrogen arbeitende Hexenkunst für
Hunderte von Jahren in Europa ausübte. Ergotismus wurde lange Zeit sowohl
von Ignoranten als auch jenen, die es hätten besser wissen müssen,
mystifiziert, bis letztendlich doch seine wahre Ursache entdeckt wurde, die
in einer Vergiftung durch einen Ascomyceten bestand, der als Parasit auf
Roggen und bestimmten Gräsern wächst (Mutterkorn, claviceps purpurea; Anm.
d. Übers.). In neuerer Zeit sind nun sogar die verblüffenden Theorien
aufgestellt worden, daß die Hexenverfolgungen in Neu-England, vor allem in
Salem, Massachusetts, ebenso wie die Mysterien von Eleusis im antiken
Griechenland Ausdruck von Mutterkornvergiftung waren.
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Alraune
So
viel wurde und wird immer noch über die Pflanze geschrieben, daß selbst die
Eifrigsten unter uns gar nicht erst die Hoffnung zu hegen brauchen, alles
lesen zu können. Dies ist aber auch nicht nötig, da das Gebäude an
Überlieferungen, das um die Alraune errichtet wurde, seit ungefähr 1700
keine wesentlich neuen Züge mehr angenommen hat. Jede Bearbeitung des
Materials in der Neuzeit kann deshalb nur ein, wie zu hoffen bleibt,
kritischer Überblick sein; dies scheint aber niemanden zu stören, da
heutzutage mehr denn je über die Alraune geschrieben wird.
So
wie die Leute Interesse an der Alraune finden, so interessieren sie sich
auch für das große Meeresungeheuer, Atlantis, El Dorado und die
Prophezeiungen des Nostradamus - alte Geschichten, die einem so vertraut
sind, daß man sie sich immer wieder im Schlaf erzählt, und die man trotzdem
nicht vergessen möchte.
Gemeinsam ist diesen Immergrüngewächsen der Populargeschichte: sie bilden
die Verschmelzungen sehr alter Mythen und beinhalten Gesichtspunkte einer
vergangenen Wirklichkeit, die vielleicht irgendwann einmal wiederkehren
wird, so zum Beispiel den Kampf des Menschen gegen wilde Ungeheuer, seine
Flucht vor Naturkatastrophen usw., oder aber sie betonen die fundamentalen
Aspekte menschlichen Glaubens und Hoffens:das Streben nach Glück und Erfolg
und die Fähigkeit, die Zukunft vorauszusagen. Was wir in unserem
Mythenschatz horten, ist keinesfalls vom Zufall bestimmt, und der Grund,
weshalb auch eine so vergleichsweise harmlose medizinische Pflanze wie die
Alraune darin zu finden ist, liegt darin, daß man sie im Laufe der Zeit in
Volkserzählungen mit so viel Mysterium umgab, daß sie mehr und mehr nicht
nur für die mächtigste, sondern auch für die gefährlichste aller
Zauberpflanzen gehalten wurde. Und so kam es, daß sie innerhalb der
wundersamen Welt der Pflanzen das Geheimnisvolle und Lockende schlechthin
verkörperte.
Die verschiedenen
Mandragora-Arten, die alle die Alkabide Skopolamin und Hyoscyamin enthalten,
waren ursprünglich in den Ländern des östlichen Mittelmeerraumes beheimatet;
dort sind sie auch heute noch sehr häufig anzutreffen, vor allem auf
brachliegenden Feldern und Schuttplätzen. Sogar die alten Perser und Ägypter
kannten schon die Heilkräfte der gelben oder rotgoldenen Beeren und vor
allem der Wurzel, und es ist sicher, daß beide Teile der Pflanze als
Aphrodisiaka verwendet wurden. Stücke der Mandragora-Wurzel, die
höchstwahrscheinlich als Liebes-Glücksbringer getragen wurden, wurden
zusammen mit anderen Grabbeigaben in den königlichen Grabkammern in den
Pyramiden gefunden, und die Alraune wird, (zusammen mit ungefähr 700 anderen
medizinischen Pflanzen) im berühmten Papyrus Ebers aus der Zeit von 1700 -
1600 v.Chr. besprochen.
In der Bibel werden die
Früchte der Mandragora zweimal erwähnt; einmal in der Genesis XXX, 14-16,
als Rahel Ruben, dem Sohn Leas, die Mandragorafrüchte wegnimmt, um damit
ihre Unfruchtbarkeit zu heilen, und ein andermal im Lied Salomon VII, 11-13,
als die liebliche, junge Sulamit, die häufiger als irgendein anderes
weibliches Wesen von der Dichtkunst besungen wurde, ihren Geliebten einlädt,
mit ihr hinaus in die Natur zu gehen. Dort, wo die Alraunen ihren Duft
verströmen, schenkt sie ihm dann ihre Liebe; es liegt dabei eindeutig in
ihrer Absicht, daß die Alraunen ihr einen besonders feurigen Liebhaber
bescheren sollen.
In der Antike macht der
griechische Arzt Theophrast (ca. 370-328 v. Chr.) deutlich klar, daß die
Alraune keine gewöhnliche Pflanze ist. Bevor er darauf eingeht, daß die
Wurzel unter anderem sowohl als Schlafmittel als auch als Aphrodisiakum
benutzt wird, erläutert er, ohne jedoch selbst daran zu glauben, die
Vorkehrungen, die von den Wurzelschneidern beim Sammeln der
Pflanzen getroffen werden müssen. Zuerst müsse man mit einem
Messer drei Kreise um die Pflanze herum in die Erde ziehen. So dann könne
man, das Gesicht westwärts gewendet, zuerst den oberen Teil der Wurzel
abschneiden, daraufhin weitere Teile der Wurzel freilegen; bevor jedoch das
letzte Stück freigeschnitten werden dürfe, müsse man um die Pflanze
herumtanzen und dabei so viel, wie das Gedächtnis nur hergibt, aus den
Mysterien der Liebe rezitieren. Ein dänischer Wissenschaftler kommentierte
diese Textpassage mit der Bemerkung, daß die Absicht hierbei vor allem sei,
so viele Unanständigkeiten wie nur möglich herzusagen - was auch recht
plausibel klingt, da ja hinreichend bekannt ist, daß Dämonen es mit der
Angst zu tun bekommen ünd verschwinden, sobald man sich ihnen gegenüber nur
unflätig genug verhält.
Selbst Pythagoras
(geb. ca. 582 v. Chr.) soll angeblich von der Alraune gesagt haben, daß sie
antrophomorph sei, das heißt, einem menschlichen Wesen gleiche, und mit ein
wenig Phantäsie kann man auch wirklich ein kleines menschliches Wesen oder
eine Puppe in ihr sehen. Bei Beschreibungen in den ältesten griechischen
Medizinbüchern interessieren sich die Autoren noch fast
ausschließlich
für die Verwendungsmöglichkeit der Alraune in der Heilkunde. Erst in der
Zeit des griechischen Imperiums wurden auch Einzelheiten über ihre
gefährlichen Wirkungen und magischen Kräfte hinzugefügt. So wird uns durch
Flavius Josephus, dem jüdischen General, Diplomaten und Geschichtsschreiber,
der ca. 95 n.Chr. in Rom sein Leben aushauchte, berichtet, daß in einem Tal
in der Nähe des Toten Meeres eine wundersame Pflanze wächst, die nachts ein
leuchtendes, rotes Licht ausstrahlt. Es sei schwierig, sich ihr zu nähern,
da sie sich sofort zurückzöge, sobald sie bemerke, daß jemand versuche, an
sie heranzugelangen. Wenn es einem jedoch gelänge, sie mit Urin oder
Menstruationsblut zu übergießen, bleibe sie stehen. Direkte Berührung der
Pflanze bringe zwar Lebensgefahr, dennoch bestehe die Möglichkeit, sie aus
der Erde herauszulösen. Dazu müsse man vorsichtig um sie herumgraben, bis
nur noch das äußerste Ende der Wurzel in der Erde stecke; daraufhin solle
man einen Hund an der Wurzel festbinden und sich entfernen.
Wenn nun der Hund versuche,
seinem Herrn zu folgen, reiße er die Wurzel aus dem Erdreich, erliege jedoch
unmittelbar darauf dem Tod, stellvertretend als Opfer für seinen Herrn, der
nun gefahrlos von der kostbaren Pflanze Besitz ergreifen könne. Das
Verfahren sei zwar kompliziert, aber immerhin Mühe und Kosten eines Hundes
wert, da die Pflanze die Fähigkeit besäße, Dämonen auszutreiben; die träten
nämlich panikartig die Flucht an, sobald die Wurzel auch nur in die Nähe der
besessenen Menschen gebracht würde.
Nicht ganz unbegründet ist
auch die Behauptung Josephus, daß die Pflanze in der Dunkelheit leuchte.
Unter bestimmten Wetterbedingungen kann es vorkommen, daß sich kleine
chemische Teilchen aus dem Nachttau und der Oberfläche der Beeren
miteinander verbinden und einen schwachen Lichtschimmer erzeugen. Ein
ähnliches Phänomen kann man in warmen, nördlichen Sommernächten bei
Blaubeeren beobachten.
Einige Generationen später
fügte Aelian neue Einzelheiten in das bisherige Bild ein: Die Mandragora ist
tagsüber unsichtbar, weil sie sich zwischen anderen Pflanzen versteckt.
Nachts scheint sie jedoch wie ein Stern in der Dunkelheit, und man kann
deshalb die Stelle, an der sie wächst, kennzeichnen und somit am nächsten
Tag mit Sicherheit sagen, welche Pflanze die Alraune ist, selbst wenn sie
haargenau wie ihr unschuldiger Nachbar aussieht. Sodann bindet man einen
hungrigen Hund an der Wurzel fest und entfernt sich, nachdem man noch ein
wohlriechendes Stück gebratenes Fleisch knapp außer dessen Reichweite
platziert hat. Das hungrige Tier wird daraufhin hastig versuchen, an das
Fleisch zu gelangen, muß jedoch in dem Augenblick sterben, in dem es die
Alraune aus der Erde reißt. Seine Leiche sollte am ehemaligen Standort der
Pflanze begraben werden und eine Beerdigungszeremonie zu Ehren des Tieres
stattfinden, das ja sein Leben dafür geopfert hatte, daß sein Herr in den
Besitz der Alraune gelangen konnte. An anderer Stelle steht geschrieben, daß
der Hund nicht unbedingt sterben müsse; nur wenn er den ersten der vorher
erwähnten Kreise um die Pflanze betrat, war sein Schicksal besiegelt. Nicht
allzu lange sollte jedoch den Hunden diese Gnadenfrist beschieden sein, da
es nämlich bald hieß, daß die Alraune jedesmal, wenn sie ausgerissen
wurde, einen solch markerschütternden Schrei von sich gab, daß jeder, der
ihn hörte, vor lauter Entsetzen sterben mußte. Von da an wurden nur noch
schwarze Hunde dazu verwendet, sie aus der Erde zu ziehen. Diese standen
ja schon von Anfang an unter einem schlechten Stern, da ihnen der Schöpfer
wohl kaum eine so unheilverkündende Farbe gegeben hätte, wenn sie nicht
bösartige Tiere gewesen wären, die sehr wohl verdienten zu sterben.
Mit der Zeit geriet die Alraune selbst mehr und mehr
in den Ruf, ein bösartiges Lebewesen zu sein, da ihre Gestalt der
menschlichen sehr ähnlich war. Wie es im einzelnen zu dieser Auffassung kam,
ist nicht bekannt. Ein Beitrag dazu mag wohl die Legende von Jasons
Drachenmenschen gewesen sein; die wichtigste Quelle bildet jedoch eine
Geschichte aus frühchristlicher Zeit. Aus dieser geht hervor, daß die
Alraune ursprünglich eine Vorstudie für den späteren Menschen gewesen sei,
die jedoch von Gott wieder verworfen wurde, nachdem er Adam aus dem roten
Erdreich des Paradieses geschaffen hatte(9).
Und der Grund, weshalb die Pflanze so selten zu finden sei, liege darin, daß
sie es immer noch bevorzuge, in der Nähe des Gartens Eden zu wachsen, der
weit weg, auf der Spitze eines mächtigen Berges irgendwo in unbekannten
Landen des Ostens liegt.
Diese interessante
Erzählung konnte die Menschen nördlich der Alpen jedoch nicht davon
abhalten, die Mandragorapflanze in ihren Gärten anzupflanzen. Neue
Überlieferungen verbanden sich mit ihr, vor allem in deutschen Gebieten,
einige der alten wurden als Aberglauben abgetan und gerieten in
Vergessenheit; vielleicht wurden sie zuvor aber noch niedergeschrieben und
blieben auf diese Weise bis in unsere Zeit erhalten. Eine grundlegende
Neuerung im Volksglauben stellte die Auffassung dar, daß die Alraune, die
inzwischen auch unter dem Namen Galgenmännchen und Drachenpuppe
bekannt war, nur am Fuße eines Galgens wachsen könne und dort wiederum nur
an der Stelle hervorsprieße, an ,der die Erde vom Urin oder vom Sperma eines
Gehängten benetzt wurde.
Gleichzeitig wurde jedoch betont, daß nicht etwa das Getröpfel eines jeden
hergelaufenen Galgenvogels die Kraft besäße, eine Alraune zu produzieren.
Vielmehr mußte der Gehängte ein Mensch gewesen sein, den die Dänen als
(wörtlich übersetzt) reinen Jüngling bezeichneten, was im Deutschen
ungefähr mit Erzgauner wiederzugeben wäre; dieser Erzgauner hatte seine
Diebesnatur schon im Mutterleib erworben und nie etwas anderes als Stehlen
gekannt. Wie alles, was mit Verbrechen, Folter und Tod zu tun hat, rankt
sich auch um eine Hinrichtungsstätte Rätsel und Entsetzen. Und so war es
auch nicht unbedingt jedermanns Geschmack, sich zum Galgenhügel
hinauszuwagen, um die Alraune aus demselben Erdreich auszugraben, das auch
die faulenden Überreste von Schurken beherbergte, die entweder gehängt,
geköpft oder auf dem Streckbrett zu Tode gefoltert worden waren. Den meisten
Leuten, die in den Besitz einer Alraune gelangen wollten, wäre es wohl
deshalb lieber gewesen, sie käuflich zu erwerben. Eine neue Mandragora
kostete eine Menge Geld, was aber in Anbetracht ihrer Herkunft und der ihr
zugeschriebenen Eigenschaften nicht weiter verwunderlich ist. Sie machte
ihren Besitzer unverwundbar im Kampf und sicherte ihm absolute
Treffsicherheit beim Gebrauch der Waffen. Sie befreite ihn von allen Leiden
und erwies sich vor allem gegenüber jenen als besonders wirkungsvoll, die er
auf dem Schlachtfeld der Liebe erobert hatte. Sie half ihm, verborgene
Schätze zu entdecken, so daß er schnell reich wurde, bei seinen Mitmenschen
hohes Ansehen genoß und erfolgreich in der Liebe war, da ja keine Frau der
zwingenden Macht der Alraune widerstehen konnte.
Ein Glücksbringer, der all
dies und noch mehr bewirken konnte, mußte natürlich mit der größtmöglichen
Sorgfalt behandelt werden, andernfalls würde er wirkungslos oder sogar
gefährlich. Der alte Haß gegen die Menschheit, aus der Gnade Gottes
verdrängt worden zu sein, war ja immer noch in der Alraune wach. (Dieser
Aberglaube schien auch völlig unbeeinflußt von der Tatsache weiterzuleben,
daß die Mandragora der Galgenvögel wohl kaum viele Gemeinsamkeiten mit der
des Gartens von Eden aufzuweisen hatte.) Eine neuerworbene, Mandragora
sollte man zuerst in Wein baden und dann, in rote und weiße Seide gewickelt,
mit einem schwarzen Samtumhang bedecken. Von nun an sollte sie an jedem
Wochentag gebadet und gefüttert werden, wobei allerdings erhebliche
Meinungsverschiedenheiten darüber bestanden, was die Mandragora zu essen
bekommen sollte. Die Mehrheit neigte zu der Ansicht, daß es genüge, wenn sie
die Hostie bekäme, die man selbst, beim Gang zum Altar, absichtlich nicht
hinuntergeschluckt hatte. Andere wiederum meinten, daß eine Portion
Fastenspeichel genau das sei, was die Mandragora am liebsten mochte; das
gebildete Volk wiederum beharrte auf der Ansicht, daß sie vor allem mit der
roten Paradieserde gefüttert werden müsse, der ja sie selbst, ebenso wie
,wir und die gesamte Vielfalt der Schöpfung entstamme. Diese Auffassung ist
jedoch wohl schwerlich in Einklang damit zu bringen, daß die Alchimisten des
Mittelalters gerade deshalb so versessen auf die Alraune waren, weil
angeblich nur sie diese einzigartige Erde enthielt, die sie bei der
Herstellung des Steines des Weisen dringend als Katalysator
benötigten.
Manchmal kam es vor, daß
eine Drachenpuppe ihres Besitzers überdrüssig wurde, ganz gleich wie gut er
sie behandelt hatte. In einem solchen Fall hörte sie einfach auf zu
funktionieren, und dann war es besser, sie auf der Stelle zu verkaufen, weil
sie sonst bösartig wurde und Unglück hervorrief. Darüber hinaus mußte wohl
auch jedem, der sich eine Mandragora hielt, mit der Zeit unbehaglich zumute
werden, da es ja eine gefährliche Sache ist, sich mehr Glück angeeignet zu
haben, als einem eigentlich zusteht. Es bedeutet eine Sünde, weil es anderen
notgedrungen Leid zufügen muß, da nur eine ganz bestimmte konstante Summe an
Glück und Zufriedenheit in der Welt existiert: wen man sich also einer
zuviel davon nimmt, wird ein anderer zuwenig davon haben. Eine Alraune
wieder loszuwerden, konnte zu einem schwierigen Unterfangen ausarten, vor
allem, wenn sie alt war und schon vielen Herren gedient hatte. Ihr ging es
dabei wie Cyprianus - sie konnte nicht einfach weggegeben werden, sondern
nur weit unter dem ursprünglichen Einkaufspreis wiederverkauft werden. Wenn
ihr Preis dann bis zum Wert des geringsten Geldstückes, das im Reich
existierte,
gefallen war und kein neuer
Käufer mehr für sie zu finden war, dann mußte sie, wenn ihr Besitzer
verstarb, mit ihm ins Grab steigen. Am Tage des Jüngsten Gerichts würde sie
dann Seite an Seite mit ihrem Besitzer vor Gott stehen und ihren Anteil am
ewigen Leben fordern.
Auf dem Höhepunkt des
Alraunen-Glaubens im 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden
allmählich mehr und mehr Zweifel daran laut. John Gerard (1547-1607), dessen
Kräuterbuch 1597 erschien, reibt seinen Lesern mit deutlicher Mißbilligung
verschiedene abergläubische Ansichten über die Alraune unter die Nase und
schließt mit der folgenden Ermahnung:
Dergleichen Träume und
Altweibergeschichten sollt ihr fortan aus euren Büchern und eurer Erinnerung
verbannen; denn so erfahret hiermit, daß deren alle und jeder einzelne Teil
von ihnen falsch und höchst lügenhaft ist: denn ich selbst habe zusammen mit
meinen Bediensteten viele ausgegraben, gepflanzt und verpflanzt und konnte
dennoch niemals der Gestalt eines Mannes oder eines Weibes darin ansichtig
werden, sondern sah eine Wurzel, die manchmal aus einem einzigen geraden
Stück bestand, manchmal aus zweien und des öfteren sechs oder sieben
Nebenwurzeln von der Hauptwurzel abzweigend, eben so wie es die Laune der
Natur auch anderen Pflanzen zu bescheren pflegt. Indessen haben faule
Müßiggänger, die nichts oder wenig anders tun, als Speis und Trank zu
frönen, ein gut Teil ihrer Zeit dem Schnitzen der Zaunrübe gewidmet, der sie
die Gestalt von Mann und Weib gaben: dieselbig trügerische Handlung
begründet nun den falschen Glauben in dem einfach' und ungebildet' Volke,
das jene dann beim Wort genommen und die Wurzel für ein echt' Alraun
gehalten.
Gerard war nicht der erste, der Einspruch erhob. Er bezieht sich auf Dr.
William Turner, der schon 1551 im ersten Teil seines Kräuterbuches etwas Ähnliches gesagt
hatte, außerdem war die menschliche Gestalt der AIraune schon 1526 in The grete herball in Abrede
gestellt worden. Aber drei englische Schwalben machen anscheinend immer noch
keinen dänischen Sommer, und so war der Alraunen- Glaube in Dänemark bis ins
18. Jahrhundert hinein fest verankert, als der Zyniker Holberg in seinem
Hexene eller blinde Alarm? Apelone erklären läßt, daß wenn ein
Hexenmeister einen Sohn zeugt, dann wird dieser die Gestalt einer
Drachenpuppe annehmen, die später für die Mutter Geld herbeischaffen wird.
Aber erst mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht begann der Glaube
an die Alraunen-Sage allmählich auszusterben. Da und dort hält er sich noch
bis zum heutigen Tage. Erst vor einigen Jahren übertrug das dänische
Fernsehen ein Interview mit einem alten Mann aus Süd-Jütland, der todernst
behauptete, daß einer seiner Nachbarn böse Zaubereien praktiziere und sogar
so weit ginge, seine Alraune auf Leute anzusetzen, die er nicht leiden
könne.
Es ist nicht sicher, ob die
Mandragora je von dänischen Hexen angebaut wurde, jedoch wurden in
Mittel-und Südeuropa sowohl ihre Früchte als auch ihre Wurzeln in
Aphrodisiaka und Flugsalben verwendet. Es bestehen auch Zweifel, ob die
Hexen des Südens immer wußten, daß die
Drachen-Puppe der Galgenhügel identisch war mit dieser
wunderschönen kleinen Pflanze, die sie da gerade in Gebrauch hatten.
In Dänemark gedeiht die Pflanze nur, wenn man ihr beim Anbau sehr viel
Sorgfalt zukommen läßt. Die Samen sät man kurz nach der Beerenreife in
leichen Sandboden. Ungefähr im August verpflanzt man dann die Pflanzen
vorsichtig an einen geschützten, sonnigen und trockenen Ort, der im Herbst
leicht mit Tannenzweigen abgedeckt wird.
Was die Drachenpuppe anbelangt, so überlebt diese nur in der
Comic-strip-Figur Mandrake,
einer Schöpfung des amerikanischen Journalisten Lee Falk. Falks
Mandrake ist ein mächtiger
Zauberer, der seit 1934, dem Beginn der Serie, mir Narda, einer hübschen,
aber naiven Blondine verlobt ist. Ihre Beziehung hat bis jetzt noch keine
Früchte getragen.
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Stechapfel
Datura stramonium

Datura, genauer gesagt dhatura, ist von dem Sanskrit-Wort dhat
abgeleitet, das zur Bezeichnung eines Giftes diente, das aus Datura
metel, einer indischen Stechapfelart, gewonnen wurde. Linné, der im
allgemeinen kein Freund von exotischen Namensgebungen war, übernahm diese
Bezeichnung als Gattungsnamen, weil er meinte, daß sie die lateinische
Wurzel dare enthielt, was soviel wie geben bedeutet, im
speziellen vielleicht das Geben bzw. Verordnen von Arzneien, wie zum
Beispiel Stechapfelsaft bei Impotenz.
Die Gattung hat sowohl in der Neuen als auch in der Alten Welt zahlreiche
Vertreter; in der Alten Welt sind manche Arten eher Kräutern ähnlich, manche
der amerikanischen Sorten dagegen kleinen Bäumen und Büschen. Alle Sorten
enthalten jedoch in sämtlichen Pflanzenteilen die Alkaloide
Hyoscyamin, Skopolamin und Atropin.
Vorsicht !
Allein schon die Blüten sind so berauschend, daß ihr Geruch betäubend und
leichte Vergiftungserscheinungen hevorrufen kann.
Diese Tatsache sollte jedoch nicht dazu verleitet, die Geschichte vom armen,
verlassenen Lakmé in Delibes Oper zu glauben, der Selbstmord verübt, indem
er den giftigen Duft des Stechapfelbaumes einatmet - Selbstmord auf
diese Art und Weise zu begehen, wäre sicherlich zu langwierig.

Zwar ist Datura stramonium, der europäische Stechapfel, im Laufe der Zeit zu
einer immer selteneren Pflanze geworden, trotzdem aber noch hie und da auf
Müllhalden und an Stellen anzutreffen, an denen er sich von den Gärten aus
ausgebreitet hat; er ist eine Jahrespflanze, die leicht am Geruch, ihren
weißen, trichterförmigen Blüten und ihrer Frucht, den Äpfeln, zu
erkennen ist, die walnußgroß und dicht mit Stacheln übersät sind.
Leider erliegen gerade Kinder nach dem Genuß der Samen tödlichen
Vergiftungen; die Samen sind nämlich, solange sie noch unreif sind,
schmackhaft und süß, dazuhin noch leicht zugänglich, da die Stacheln der
Frucht erst nach der Reife der Samen hart und pricklig werden.
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